Mittwoch, 21 Mai 2008    
     

Lange keine Eintragungen, aber nicht weil es uns langweilig geworden ist. Wir haben jetzt die Bürokratie hier zur Genüge zu spüren bekommen. Unser Umzug ist seit dem 30 in Rio Grande, aber man rückt ihn nicht raus. Jedes mal verlangt man wieder ein anderes Dokument. Gestern ist mir der Kragen so geplatzt, ich habe meinen original Pass hin geschickt. Erst wollte man eine Fotokopie, also in die Stadt, ihn fotokopieren, faxen. Gestern dann, man will eine autentizierte Kopie des Passes. Da habe ich verrückter weise den ganzen Pass hingeschickt, irgendwie reicht es mir jetzt auch.
Zur selben Zeit wird unsere Quelle ausgebuddelt, und wir hoffen dass, dass kein Dreck mehr rein kommt wenn es regnet. Jemand der uns empfohlen wurde hat sich die Quelle angesehen und meinte sofort, dass da nur Dreck reinschwemmen kann wenn es regnet. Er riss sämtliche Schichten runter, wobei Erdschichten, Ziegelsteine, Plastikplanen, uws. uw, zum Vorschein kamen. Man hatte mir immer vormachen wollen, dass das Wasser „während seines Laufes“ bei schweren Regen verschmutzt wird, und das sagten mir alle, ich habe es nicht geglaubt, und jetzt wissen wir es, dieses Wasser entspringt genau vor unseren Füssen aus dem Stein, und der Dreck wurde von dem was drauf lag verursacht. Gestern wurde also alles ausgebuddelt, ein riesiges Loch drum herum, und heute kommen riesige Rohre rein, ein Naturfilterstein, Naturkohle, etc. und dann sollten uns die nächsten schwere Regen kalt lassen und sauberes Wasser weiterhin aus den Hähnen fließen. Leider fließt uns das Geld auch davon, wo wir gehofft hatten uns am Anfang Hilfe für die schweren Arbeiten zu holen sieht es jetzt mau aus, denn der Brunnen, das Dach fürs Haus, usw, das alles war nicht mit einkalkuliert.
Claudir, der die Quelle bearbeitet, kennt sich in dieser Gegend super gut aus, ist ein riesiger Kerl der mit seinen Pranken in jedes dichte Gebüsch grabscht ohne zu gucken was da sein könnte, jeden Abhang runter klettert, jeden Baum kennt, eigentlich würden wir ihn ein paar Wochen hier brauchen können. Gestern habe ich ihn gefragt warum ein sehr alter und schöner Baum am Abhang gefällt worden sei. Er schaute sich nur den Stamm an und meinte sofort, es sei ein Bienenschwarm eingefangen worden, deshalb habe man den Baum gefällt, das sei zwar verboten, aber…. Und dann kletterte er den Abhang runter und meinte unten sei eine riesige Müllhalte, auch da habe man alles einfach den Abhang runter geworfen, hier jedoch die großen Dinge. Zum Glück traue ich mich da überhaupt nicht runter. Auch das ist verboten, aber…. Und so müllen wir auch in diesen wunderschönen Ecken der Welt alles zu – nach uns die Sintflut, im wahrsten Sinne des Wortes.
Hier auf dem Grundstück stehen sehr viele Japanische Rosinenbäume, einen Baum den ich als Kind geliebt habe, oder, besser, die Früchte, die wie leicht gegärte Rosinen schmecken. Ich hatte schon gelesen, dass diese Bäume durch die japanischen Einwanderer hier ins Land gekommen sind und überall in den Wäldern einheimischen Bäumen das Licht und Platz nehmen. Wir haben mehrere hier, der Boden liegt zur Zeit bedeckt mit Früchten

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und Laub, und wollte sie eigentlich los werden, aber die IBAMA, Behörte die für Umwelt zuständig ist, soll sehr, sehr streng sein, obwohl, wenn man so einen anderen alten Baum wegen einem Bienenschwarmes fällen kann, aber, wie Claudir sagte, wo kein Kläger….. Aber er meinte auch ich dürfe diese alle fällen, da es keine einheimischen Bäume sind, und dass man dafür noch etwas Geld bekommt. Ich denke diese Bäume müssen mit aller liebe zu allen Bäumen weg, sie gehören nicht her und machen das natürliche Gleichgewicht der Bäume kaputt.

Wir machen immer mehr Drecksecken sauber, und man sieht immer mehr wie schön das hier mal werden kann. Aber auch wie hart wir noch bis dann arbeiten müssen!! Uns fehlen hier noch so einige Hände die mit anpacken!!!

Purzelchen hat sich nun voll in unsere Herzen eingeschlichen, und sie liebt es bei Gyps im Arm zu liegen.

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Nur mit unseren Katzen muss sie noch vorsichtig treten, was sie auch tut. Wenn wir Futter rausstellen, dann sitzt sie mitten um Napf, macht sich so breit wie möglich, alle Tatzen besetzen einen Teil des Napfes, und Mutter und Vater haben Glück, wenn sie auch ein paar Krümel abbekommen.
Unsere sind mittags genau wie Frauchen erledigt und machen Siesta
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Vollmond über dem Maisfeld
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Es ist fünf Uhr früh, aber unser blöder Gockel kräht schon wieder seit einer halben Stunde. Ich habe allen Tieren auf diesem Grundstück bei unserer Ankunft versprochen, dass ihnen nie etwas angetan wird – mit dem Gockel könnte ich zum Wortsbrecher werden. Er kann nicht krähen wie ein normaler Hahn sondern räuspert sich eher in einem langen Singsang und fängt eben so ab halb fünf an. Aber ausgeschlafen bin ich auch, da wir sehr, sehr früh schlafen gehen.
Gestern am Abend hat Gyps noch sehr lange gelesen, Vera und Ronald, unsere Freunde aus Cambé, haben uns ein „Care Paket“ geschickt, und da waren auch Zeitungen bei, ich bin irgendwann eingeschlafen, aber Gyps hat wohl noch sehr lange gelesen. Einer von uns muss morgens immer die Hühner rauslassen, und heute kann er länger schlafen, bin ja sowieso wach.

Wir fühlen uns hier sehr, sehr gut. Uns fehlen wirklich nur Svenja und unsere Freunde sehr, sonst würde ich für nichts in der Welt wieder zurück.