| Freitag, 18 April 2008 | ||
Gestern waren wir fast den ganzen Tag in Nova Petrópolis. Wir haben uns nämlich am Mittwoch einen Wagen gekauft, also mussten wir eine Versicherung abschließen und zum Verkehrsamt gehen, und das hat so ziemlich den ganzen Tag in Anspruch genommen. Erst zur Immobilienmaklerin, denn ich musste noch ein Dokument um unser Grundstück offiziell registrieren lassen zu können. Dann zum Verkehrsamt, alle Dokumente einreichen, dann zum Notar meine Unterschrift beglaubigen lassen, dann zum Versicherungsmakler in der Bank, was wieder ein Abenteuer ist. Man geht durch eine Sicherheitstür wie beim Flughafen. Sofort ging bei mir der Alarm los, Fotoapparat aus der Tasche nehmen – in einen Kasten legen, durchgehen, Apparat wieder an mich nehmen, auf Makler warten, währenddessen wirbt der Manager für seine Bank, dann Versicherung abschließen, dann zum Gutachter – der das Auto auseinander nimmt, dann zum Verkehrsamt, da wird es wieder auseinander genommen, aber das alles erst nach 2 Stunden Wartezeit, denn religiös um halb zwölf werden die Bordsteine hochgeklappt, die Stadt macht dicht und alles öffnet erst wieder um halb zwei, und davon kann man niemanden abhalten. Neue Nummernschilder braucht man auch und natürlich ist auch der Besitzer dieser Firma ein Nachkommen von Hunsrückauswanderer und spricht eine Sprache der ich nicht Herr bin und auch nie sein will – es ist ein Deutsch was die hier selber kreiert haben und ich denke nur sie können es verstehen. |
||
| Aber wir merken jetzt schon, dass es uns schon nach ein paar Stunden in der „Stadt“ gleich wieder nach Hause zieht | ||
| Freitag, 25 April 2008 | ||
Heute sind wir drei Wochen auf diesem Grundstück, und seit einer Woche oder so haben wir keine Eintragung gemacht – nicht etwa weil nicht immer etwas passiert, sondern weil es so viel zu tun gibt, und der Tag so schnell vorbei ist, wir schaffen nie was wir uns vorgenommen haben. Nun ist es genau drei Wochen her, dass wir total übermüdet hier mit unseren Miezen gelandet sind – Mullino wanderte mir gerade über den PC und war sauer, dass Gyps ihn runter komplimentiert hat – auch die Miezen leben sich langsam ein – es gibt immer wieder Momente wo ich mir Sorgen mache, sie dadurch verunsichere, aber sie trauen sich immer weiter raus. Obwohl Mullino, seitdem er eines Morgens im Garten geschrieen hat, sich nicht mehr in den Garten traut – wir wissen nicht was ihn gestochen hat, oder ob eine der „Trio Infernale“ Katzen ihn angegriffen hat – er muss wohl erst den Schock überwinden. |
||
![]() |
Heute hat Gyps angefangen eine Steinmauer oberhalb des Hauses zu bauen und ist so lange mit Steinen auf der Schuppkarre gefahren bis er sich wunderte was für ein Geräusch er hörte – und merkte plötzlich, dass es das schnelle Schlagen seines Herzens war – davor haben wir angefangen ganz hinten am Kuhstall etwas sauber zu machen – das wird ewig dauern, aber wir hatten eine gute Idee – es gibt dort auch einen Steinzaun vor dem Abgrund, und hier im Garten waren sehr viele Sukkulenten – die wir nicht unbedingt haben wollten – also hat Gyps sie wieder mit seinem Lieblingsspielzeug, der Schubkarre dort hin gekarrt, und jetzt gibt es mitten in der überwucherten Ex-Weide einen kleinen Steingarten, oder der Anfang eines Steingartens. | |
|
||
Und hier ist der Anfang des Gartens!! |
Und so schnell ist der Tag vorbei und wir todmüde!! Wir Stadtmenschen sind Weicheier, werden aber jeden Tag kraftvoller, so hoffen wir jedenfalls. Wenn wir unseren Vorbesitzer hier sehen, wie er von morgens acht bis abends sechst Mais umknickt, und gerade mal eine halbe Stunde Pause macht, all das bei brütender Hitze, und dann abends noch munter seine Bienenkörbe einsammelt um sie mitzunehmen, dann fällt es uns schwer zu glauben, dass er 64 ist. Gleich am Tag als wir ankamen gab er uns eine zwei Liter Flasche Honig von seinen Bienen und meinte, „wenn ich meine Bienen bei Euch im Wald lassen darf, liefere ich Euch so viel Honig kostenlos wie ihr nur verbrauchen könnt“. Der Honig schmeckt so wunderbar, er hat uns überzeugt!!! Er hat auch ein oder zwei Bienenstöcke der Mini-Bienen, die das berühmte Gelee Royal produzieren, aber den hat er uns nicht angeboten – das wäre dann doch wohl zu wertvoll!! Der Mann arbeitet jeden Tag so schwer und so lange – wir hatten etwas Säbelrasseln zwischen uns, da sie sich immer noch zu sehr als Besitzer sahen, und wir uns wie geduldete Gäste vorkamen, also musste jeder den Macho raushängen lassen und jetzt läuft alles normal, er hat alles abgeholt und wird nun nur noch seinen Mais ernten, den bei uns in der Scheune lagern bis er ihn verkauft hat, und dann können wir uns hier auch freier bewegen (und duschen!!!) Jetzt hat er schon das ganze Feld Mais geknickt, also müsste er in ca. 2 Monaten alles geerntet haben. VIVA!! |
|
|
||
Das liebe Federvieh hat sich auch vermehrt. Unsere „Putten“ mit sieben Küken ist seit einer Woche nun auch aus dem kleinen Stall gelassen worden und sie läuft stolz umher mit Küken die von bezaubernd bis absolut „na ja“ aussehen. Hier gab es vor einiger Zeit noch einen Hahn mit nacktem Hals, der hat es wohl nicht überlebt, aber seine Gene leben weiter!! |
||
Dann natürlich die Schwarze Henne der wir oben in der Nähe der Felder begegneten, die dann mit drei Küken vor dem Unwetter erschien – zwei Schwarze – ein Weißes!! |
Und seit gestern unsere eiserne Mama, die seitdem wir angekommen sind, auf ihrem Nest mitten im hohen Gras brütete, ob es regnete oder die Sonne ihr auf die Federn brannte, Mutter ist Mutter – aber die widrigen Umstände haben ihren Tribut gefordert, nun ist sie eine super stolze Mutter eines einzigen Kükens, welches mit viel Getöse verteidigt wird!! |
![]() |
Wir sind nicht unglücklich darüber, dass die in der Natur brütenden wenig Küken durchbringen – sonst hätten wir bald viel zu viele Hühner!! Und die werden uns alles ausbuddeln was wir pflanzen!! Aber wenn Mutter-Kind Versammlung ist kann man nur verzaubert zusehen - Eine Mutter stolzer als die Andere, viel Gegacker und Getue, und alle Küken hören in Erfurcht zu. |
||
Heute mal ein paar Bilder für Blumenliebhaber, von Sorten die hier jetzt schon vertreten sind: |
||
![]() |
Name??? Wer kennt diese Pflanze oder Blume? Ich tippe auf ein Gewächs aus der Ingwerfamilie. | |
![]() |
Groselha – eine Malvenart, deren Früchte als Hibiskustee in Deutschland angeboten werden. | |
![]() |
Wilde Lilien, die es hier in rauen Mengen an dem Waldrand gibt. Ich sammle schon eifrig Samen – es dauert wohl ein paar Jahre bis sie von Samen her blühen, aber ich hoffe wir haben noch viele Jahre hier und sehen noch viele blühen – dieses Trio an einem Stängel fand ich besonders schön. | |
![]() |
Roter Hibiskus, es gibt hier im Garten auch einen in orange. | |
![]() |
Name?? Angeblich soll dieser Strauch besonders intensiv blühen ehe Regen kommt. Aber bisher hat sich das nicht unbedingt bestätigt. | |
![]() |
Eine wilde Rankpflanze im Wald | |
![]() |
Eine Annemonenart | |
Aufregendes in gewohnten Sinne des Wortes können wir noch nicht berichten – wir freuen uns jeden Tag über gutes Wetter, der angedrohte Herbst ist gnädig mit uns – wir haben wunderbares, warmes, sonniges Wetter – morgens liegt manchmal dichter Nebel über dem Land wie eine weiße, flauschige Decke– doch spätestens um neun hat die Sonne wieder die Oberhand und der Himmel ist blau – aber sowie die Sonne hinter dem Horizont verschwindet, braucht man eine Jacke oder einen Pullover – es kühlt dann rapide ab. Morgens, wenn wir aufstehen auch. Aber sowie man anfängt zu arbeiten und die Sonne scheint, muss man alles wieder ausziehen! Aber wir wissen, der Herbst ist im Anmarsch, und im Winter kann es hier sehr kalt werden! Und mit dem Regen haben wir bisher auch nur Glück gehabt, es soll hier ja sehr viel regnen, davon haben wir aber noch nichts gemerkt. |
||
![]() |
Purzelchen kommt immer mit in den Gemüsegarten. Dieses kleine Kätzchen hat eine Weisheit und Erfahrung von ihren Eltern mitbekommen, man kann nur staunen was sich dieses Kleine alles zutraut und was es schon gelernt hat. Allerdings hat es diese Tage eine Henne getrickst und hat dann ganz schon was abbekommen. Wieder eine Lektion gelernt. Man sagte uns wir sollen die Katzen nicht zufüttern, da sie sonst keine Mäuse jagen würden. Ist nicht so, Mama präsentiert ihrer Tochter immer wieder Mäuse und was noch man gar nicht so genau wissen will. | |
Es ist alles wirklich wunderschön, wenn man die Natur und das Leben auf dem Land liebt – wir vermissen nur unsere Freunde, und wir freuen uns auf Internet und mit Euch wieder Kontakt haben zu können, Eure Neuigkeiten zu erfahren, Ideen auszutauschen – zu erfahren wann Ihr uns besuchen kommt, und was so alles bei Euch passiert ist!!!! Im Winter und wenn dann der Regen kommt werden wir ja viel Zeit zum Schreiben haben!!! |
Mullino im Garten |
|
![]() |
Guavas vom eigenen Strauch/Baum – im Vergleich zu der Hand von Gyps – dem zum Glück hier alles sehr gut bekommt, vom Wasser aus der eigenen Quelle bis zu den Früchten. Heute haben wir Orangen von allen Bäumen versucht – sie sind noch etwas grün, aber von zwei Bäumen sind sie schon richtig lecker, von den anderen muss man Saures gerne mögen um sie zu essen. | |