Samsatg, 12 April 2008    
     

Gestern war Aiga mit Christina hier – sie fliegt ja morgen zurück nach England und wollte sich noch mal für die Mitflieggelegenheit bedanken – es hat ihr sehr gefallen, aber sie vermisst ihre beiden kleinen Kinder sehr, und freut sich jetzt auf sie. Sie hat ihren neuen Stiefvater kennen und lieben gelernt – ihre Mutter, Frigga, als Beispiel für uns alle, hat voriges Jahr mit 70 aus Liebe geheiratet, und Cristina meinte es sei eine Freude die beiden zusammen zu beobachten. Sie und Jennifer, ihre Cousine, sind auf der Weide rum geturnt und haben sich eine wilde Sorte Cherimoias gepflückt, die hier in rauen Mengen wachsen.

     

Irgendwie sind die Tage viel zu schnell wieder vorbei – Gyps und ich sind immer müde und könnten den ganzen Tag nur schlafen.
Aber so richtig gut geschlafen haben wir noch keine Nacht, entweder die Zeitumstellung, der Husten, oder wie in dieser Nacht, ein Unwetter, weckt einen immer. So gegen elf fing es an in den Bergen zu grollen und dann kam das Gewitter auch sehr schnell zu uns. Nach einer halben Stunde oder weniger war der Spuk vorbei, wir gingen alle wieder schlafen und dann sprangen wir alle vier gleichzeitig hoch – ein Blitz und ein Knallen und Grollen zur gleichen Zeit, es muss genau über uns hinweg gezogen sein, und dann war totale Ruhe! Wenn das aber die Kaltfront war, dann  es ja noch mal glimpflich ausgegangen, denn wenn die aufeinander treffen, kann es ja gehörig scheppern, das haben wir ja in Berlin in den letzten Jahren nur zur Genüge erfahren.

     

Ich merke immer wieder, mir fehlt nichts materielles, bis auf ein „sauberes“ Haus und Dusche, aber alles was ich sehe, will ich so gerne mit meinen Freunden teilen und kommentieren, und ihr fehlt uns sehr!!!! Gyps muss andauernd „komm, schau mal hier, schau mal dort“, und sich alles ansehen, oder er ruft mich. Z.B. dieses süße Grillenpaar, dazu fällt mir nur ein „love is in the air“!!!

Tier

Wenn Sie im Sommer an meinem frisch gepflanzten Gemüse nagen werde ich da ganz anders drüber denken, aber die Farben faszinieren mich!

   

Typisch für diese Gegend sind die Pinienbäume wie unten, die Araucarias -  – sie stehen auch unter Schutz, obwohl wir nur auf unserem Grundstück mindestens 20 stehen haben. Ihre Früchte hängen in großen Zapfen, die nicht gepflückt werden dürfen, da sie durch die Gralha Azul verbreitet werden, ein Vogel der deshalb auch unter Naturschutz steht. Erst wenn sie auf dem Boden liegen darf man sie aufheben und essen. Genau das haben wir heute früh gemacht, nach dem Sturm lagen all diese auf dem Boden. Man kocht sie und isst sie – gerade in der kalten Zeit, weil sie sehr wärmend sind, etwa so wie Maronen. So frisch hatte ich sie noch nicht gesehen, und die Farben sind noch besonders schön.

NachtBeeren

Wir haben sie gekocht und sie haben uns geschmeckt – wenn sie in Kohle geröstet werden sollen sie noch besser schmecken.

Zur gleichen Zeit etwa fing es an zu gießen, und fliegende Ameisen fingen an zu schwärmen – das hieß in meiner Kindheit immer viele Tage Regen! Aber, seit meiner Kindheit hat sich so einiges geändert, hoffentlich auch das.
Haus    

Aber diese fliegenden Ameisen waren für die Hühner ein echter Leckerbissen, sie liefen verzückt hin und her, pickten eine nach der anderen und schienen den sehr dichten Regen nicht zu bemerken, und gleichzeitig kamen aus dem Nichts immer mehr Kröten – sprangen hoch und runter und verspeisten auch diese fliegenden Tiere. Es war ein sehr reich gedeckter Tisch für alle.
Kurz ehe der Regen anfing entdeckten wir, dass die Glucke, die wir gestern bei einem Spaziergang entdeckt hatten, mit ihren drei noch überlebenden Kücken nach unten gekommen war. Als wir ihr gestern über den Weg liefen wollte sie uns angreifen und wir sahen zwei Kücken, aber sie scheint doch drei gerettet zu haben und sich vor dem Regen entschlossen haben die Sicherheit der Scheunen zu suchen. Wo sie die Nacht verbringen wird, wissen wir nicht. Hier sieht man wie der Kampf ums Überleben jeden Tag stattfindet. Es gibt einem ein natürlicheres Verhältnis zu Leben und Tod als man es in der Großstadt bekommt. Man will zwar überall helfen, ist aber machtlos genau das zu tun, und einem wird klar wie klein man doch ist. Tja, früher habe ich über Theater- und Museumsbesuche geschrieben, aber z.Zt. finde ich alles hier viel, viel interessanter und hoffe sehr ich langweile Euch nicht zu sehr mit unseren Tiergeschichten.

     

Das Haus ist sehr, sehr renovierungsbedürftig, und unsere Priorität für morgen ist ein Auto kaufen und dann anfangen diese Hütte bewohnbar zu machen ehe unser Umzug in ca. drei Wochen ankommt. Wir werden wohl in die zwei Räume des Anbaus ziehen, obwohl es da eine undichte Stelle gibt, und dann ein Zimmer nach dem anderen im Haupthaus renovieren. Es ist ca. 100 m2 groß, und man darf nicht vergessen, die Leute hier haben viel Geld mit Landwirtschaft gemacht, aber die Priorität bei Bauern ist nicht Komfort. Heute, als der Regen anfing, haben wir aus dem Küchenfenster Waschpulver geworfen, da man wohl die Gewohnheit hatte alle Essensreste aus dem Fenster zu werfen – sowie ich dieses aufmache laufen die Katzen auch unter das Fenster – genau so roch es auch. Mal sehen ob das hilft.

     

Das sind Anus – mit der Betonung auf dem u bitte!!!! Sie sehen zwar wie Greifvögel aus, sind auch recht gros, und kommen in Schwärmen, heute haben wir 14 davon gezählt, und sie machten nur Unfug, aber sie essen wohl nur Samen –beschwören kann ich das auf keinen Fall. Frech sehen sie aus und sind es auch.

Vogel