Mittwoch, 9 April 2008    
     

Heute sind Guapito und Mullino zum ersten Mal richtig in den Garten gekommen – unsere Katzen, die zu Vampiren mutiert sind. In der –Nacht erkundigen sie das ganze Haus, jagen Motten, springen gegen die Fenster wo alles mögliche draußen gegen fliegt, aber sowie der Hahn kräht und die ersten Lichtstrahlen rauskommen, kriecht einer unters Bett und der andere verschwindet im Schrank – bis auf wenn wir die Tür zum Garten aufmachen, dann kommen sie raus. Mullino freut sich an jedem Schmetterling und Guapito schaut schon mal wo es weiter gehen könnte. So wie die Hühner und der Hahn, sowie man den Stall auf macht, rennen sie in Windeseile in das Maisfeld wo sie stundenlang bleiben. Was es da so an besonderen Insekten gibt haben wir noch nicht erkundet – und warum sieben Hühner nur zwei Eier legen auch nicht.

     
Donnerstag, 10 April 2008    
     

Heute ist das eingetreten was der Bauer uns am Anfang gesagt hatte „es weht immer in Lüftchen, und wenn das nicht der Fall ist, das weiß man es kommt Regen“. Er war gerade da und meint es ist ein Unwetter angesagt. Super, wieder Konfrontationstherapie für mich – in diesem Haus in dem es keine dunkle Ecke gibt, nicht einmal Jalousien, die man runter lassen könnte.
Vorgestern war ich mit Aiga in Nova Petrópolis – der Weg dort hin und das Städtchen haben mir sehr gut gefallen – ein sehr unebenes Terraine aber nette kleine Läden, viele junge Menschen und freundliche Gesichter. Wir waren Senaide hallo sagen, der Maklerin, bei der wir das Grundstück gekauft haben. Außerdem brauchte ich ihre Erfahrung mit den Menschen hier unten, da die Familie, von der wir das Grundstück gekauft haben, sich hier noch als Besitzer fühlen.

Gerade ist er wieder da um einen Fuhre Kuhdünger abzuholen – und ganz zufällig sind noch zwei Kerle mit einem anderen Auto da – also muss Gyps jetzt mal den Macho raushängen lassen, was bei diesen Leuten hier im Süden wohl noch so ist  - ein Kerl ist ein Kerl und Gyps hat sich nie träumen lassen, dass ich ihn mal darum bitten würde, den Macho raushängen zu lassen. So kommt jeder Mal auf seine Kosten

     
Freitag, 11 April 2008    
     
Jetzt sind wir fast auf die Stunde genau eine Woche auf diesem Grundstück, und fast so lange haben wir eine Erkältung, die uns nicht zur Ruhe kommen lässt. Die Nächte bellen wir um die Wette und es ist höchste Zeit dass wir uns einen Hund anschaffen und ihm das überlassen. Wir gehen mit den Hühnern schlafen, wachen alle paar Stunden auf, machen uns einen Tee und kommen am Tag nicht so richtig in die Gänge. Ob das nun die Erkältung ist oder der Höhenunterschied oder die Umstellung, oder alles zusammen, wer weiß, aber ich denke in zwei bis drei Wochen haben wir uns akklimatisiert. Gestern hat es geregnet – es scheint hier eine richtig Trockenheit zu herrschen, und am Nachmittag kam dann erst ein sehr schöner, seichter Regen, dann etwas stärker, und dann kamen Nebelschwaden, erst von links, dann von rechts den Berghang hoch gekrabbelt, flossen über das Stück Urwald, lösten sich auf und machten Platzt für die nächste Welle Nebel. Für heute sind stärkere und für Sonntag sehr starke Regenfälle angesagt und dann soll die Temperatur in den Keller gehen. Also eine richtige Kaltfront im Anmarsch. Aber die hatte man uns schon zu unserer Ankunft prophezeit – deshalb hoffen wir immer noch auf gutes Wetter.
     

In diesen paar Tagen habe ich schon mehr Ungeziefer gesehen als in meiner ganzen Kindheit zusammen, aber vielleicht kommt es uns nur so vor. Heute wollte eine Caranguejeira, diese Art schwarze Vogelspinne par tout in das Haus, wir haben so lange Wasser auf sie gegossen bis sie ihr Vorhaben aufgegeben hat. Die beiden wilden Katzen haben uns nur gelangweilt zugesehen, und das kleine Baby tollte immer zwischen durch – sie sind Kummer gewohnt. Meine sind langsam etwas lebendiger am Tag, also haben ihr Vampirdasein etwas eingeschränkt – aber sie haben auch sooooo viel mit gemacht, ich kann sie gut verstehen.

     

Gestern waren wir nachmittags kurz in die andere Richtung spazieren, wo der Urwald noch schöner und dichter ist. Ich habe einen alten Zedernbaum entdeckt, der wunderschöne Holzsterne trägt. Leider hatte es vorher geregnet, also konnte man sie nicht so leicht finden, denn sie gehen bei Feuchtigkeit zu. Wenn es mal wieder richtig trocken ist gehen wir wieder hin. Ich weiß noch gar nicht bis wo unser Grundstück geht, aber ich hoffe sehr, dass dieses Stück Urwald auch noch dazu gehört.(Nachtrag: jetzt wissen wir es, das Grundstück geht sogar noch ein gutes Stück weiter).
Wir habe auch noch eine andere Palme gefunden, die sehr viele kleine Palmen um sich rum wachsen hat. Sowie es hier richtig geregnet hat und wir geeignetes Werkzeug haben, wollen wir diese umpflanzen, und die ganze Einfahrt mit Palmen bestücken.
Wir brauchen unbedingt und bald ein Auto, die größte Ausgabe hier – Autos sind sehr teuer, auch wenn sie alt sind. Vorgestern kam der Freund von Jessica mit einem Chevette, über 25 Jahre alt, der Schalldämpfer des Auspuffs ausgebaut, damit er so richtig Krach macht – jeder Reifen blank und von einer anderen Firma, und dafür wollte er 6.500 Reais, also ca. 2.300 Euros. In Deutschland hätte man für die Entsorgung noch bezahlen müssen – und am nächsten Tag hat er ihn auch wirklich verkauft. Da denken wir mit einem tränenden Auge an unseren 100 Euro Renault – den hatte Gyps so verkauft, dass jemand ihn am Flughafen bezahlt und in Besitz genommen hat – und mein schöner englischer Regenschirm war noch im Kofferraum, ich hatte aber die Hände voll mit Koffern und Katzen, und jetzt denke ich er würde uns hier gute Dienste leisten.