| Samstag, 3 Mai 2008 | ||
Wieder fast eine Woche ohne Eintragungen, aber, seit der letzten sind wir beinahe im Wasser versunken und vor Kälte erfroren!! Am Dienstag hat es geregnet und über Nacht waren dann nur 0 Grad – in einem Haus ohne Heizung. Hätte Gyps nicht eine geniale Idee gehabt, wir wären erfroren. Er hat einen schönen, runden, großen Stein auf den Kochherd gelegt und als dieser dann richtig warm war, wurde er unter die Decke gelegt. Morgens war er noch warm und wir haben die ganze Nacht lang nicht gefroren. Genial!! Aber wir sind auch schon um acht ins Bett, da man sonst einfach nicht warm werden konnte. Fazit, auch in Brasilien kann es kalt werden, und wir sind erst im Herbst. Dieser Stein, den Gyps ausgesucht hat, haben wir herausgefunden, stammt nicht von diesem Grundstück sonder von unten aus dem Fluss. Früher kamen wohl ganze Lastwagen und transportierten diese ab zum Verkauf – jetzt darf man dort nur als Privatperson welche mitnehmen. Das haben wir uns jetzt fest für einen der nächsten Tage vorgenommen. Als unsere liebe Freundin Dagny anrief meinte sie nur ganz trockenen „also daher kommt der Spruch Ich habe einen Stein im Brett mit jemanden“, dass war ein Tippfehler, es muss Stein im Bett heißen!!!!“ Bei diesem Wort fällt mir ein, wir haben uns schon seit einiger Zeit um eine Waffe bemüht, sagten es nur einem Mann und sofort kam Sr. Alfredo vorbei, er habe eine Pistole, noch von seinem Vater – Rechnung lag bei, aus dem Jahre 1956 – und er könne sie uns für 500 Reais verkaufen. Das muss man durch ca. 2.65 teilen um den Eurobetrag zu erhalten. Wir hatten sie ein paar Tage hier, aber da die Munition auch aus dem selben Jahre stammte, haben wir drauf verzichtet, da man damit nicht einmal eine Fliege aus der Luft schießen könnte. Aber uns ist schon eine andere angeboten worden, zu demselben Preis, pro Schuss noch mal ca. 1 Euro. Also, so leicht kommt man an eine nicht angemeldete Waffe, jedenfalls wenn man Leute kennt. Am 1. Mai, also Tag der Arbeit, haben Gyps und ich den Anlass sehr ernst genommen und geackert wie die Verrückten: es gibt hier mehrere Drecksecken, eine davon wo die Bananen wachsen, eine andere an der Einfahrt, und die hat Gyps in Angriff genommen. Dort waren Stapel mit Ziegelsteinen, riesige Plastikplanen, vertrocknete Baumüberreste von Palmen und Spinnen ohne Ende. Am Freitag hat es wieder sehr geregnet und ich wollte nicht aus dem Haus, Gyps hat sich einen Anorak und Hut angezogen, eine Machete unter den Arm geklemmt und meinte er würde sich das Grundstück noch mal ansehen. Nach ca. ein und einer halben Stunde kam er zufrieden wie ein kleiner Junge nach einem Abenteuer wieder an und erzählte mit ganz stolz wo er gerade gewesen - und ich war stinke sauer. Regel Nummer eins in der Pampa: man geht nie allein in bestimmte Ecken, Regel Nummer zwei, man sagt immer genau wohin man geht. Wo er war hätte ich ihn NIE vermutet. Am 1. war Sr. Alfredo hier, er wollte gerne eine Bambusstange schlagen, da er auf seinem Grundstück die Pinhões ernten wollte. Da wir dieselbe Idee hatten, ging Gyps gleich mit ihm, und ich bin froh, dass die Beiden zusammen dort waren, wieder genau am Abhang, und sie haben auch die Affen gehört die in den Wäldern leben. Man sagte mir es seien Brüllaffen, aber ich habe sie nie brüllen hören, und Alfredo hat sie gesehen, Gyps nur gehört. Sie haben dann 11 Meter lange Bambusstangen geschlagen, die jetzt eigentlich 6 Monate trocken müssten, wenn man mit ihnen etwas bauen sollte. Vor einigen Tagen hat Gyps auch seine erste Bananenstaude geerntet. Eine Banane war gelb und reif, und das heißt, jetzt ernten ehe die Vögel es tun. Eine Schar Vögel kann eine ganze Staude in 1-2 Tagen vernichten, wenn sie reif ist. –jetzt warten wir allerdings darauf, dass die anderen Bananen auch reifen. Wenn die Bananen geerntet werden, hackt man die ganze Staude ab, da sie nie wieder tragen wird und Platz machen muss für neue Stauden. Heute regnet es zu viel und ist zu nass – sowie das Wetter besser wird werden wir ein paar Bilder davon aufnehmen. Vom Wetter hier sind wir im Monat entsprechend zu November bei Euch. So darf es auch mal kalt werden, aber nicht soooo kalt – wir haben noch nie so gefroren. Wenn das Haus doch schon Frostbeulensicher wäre. Das meinen Mullino und Morceguinho auch. Wir sehen immer Purzelchen und seine Eltern im Regen und bewundern sie, wie sie sich an die widrigen Umstände angepasst haben. Tja, und so müllen wir Euch zu mit Nachrichten, die die Welt nicht braucht ohne zu wissen, ob Ihr damit etwas anfangen könnt, aber, sowie wir eine Abschickmöglichkeit haben, und ihr diese Infos erhaltet, sagt uns bitte, ob wir Euch von unserer Liste streichen sollen oder ob Ihr weiter „Nachrichten aus der Pampa“ erhalten wollt. Nächste Woche kommt unser Umzug an und dann müssten wir nach noch einer Woche auch ans Internet angeschlossen sein. Wir wollen so gerne auch von Euch Nachricht bekommen. Wie geht es Euch, was treibt Ihr so, wie ist der Frühling in Berlin. Svenja meint es wäre endlich schön und frühlingshaft geworden. Diese Jahreszeit ist wirklich besonders schön und verzaubert Berlin jedes Jahr aufs Neue. |
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