Samstag, 3 Mai 2008    
     

Wieder fast eine Woche ohne Eintragungen, aber, seit der letzten sind wir beinahe im Wasser versunken und vor Kälte erfroren!! Am Dienstag hat es geregnet und über Nacht waren dann nur 0 Grad – in einem Haus ohne Heizung. Hätte Gyps nicht eine geniale Idee gehabt, wir wären erfroren. Er hat einen schönen, runden, großen Stein auf den Kochherd gelegt und als dieser dann richtig warm war, wurde er unter die Decke gelegt. Morgens war er noch warm und wir haben die ganze Nacht lang nicht gefroren. Genial!! Aber wir sind auch schon um acht ins Bett, da man sonst einfach nicht warm werden konnte. Fazit, auch in Brasilien kann es kalt werden, und wir sind erst im Herbst. Dieser Stein, den Gyps ausgesucht hat, haben wir herausgefunden, stammt nicht von diesem Grundstück sonder von unten aus dem Fluss. Früher kamen wohl ganze Lastwagen und transportierten diese ab zum Verkauf – jetzt darf man dort nur als Privatperson welche mitnehmen. Das haben wir uns jetzt fest für einen der nächsten Tage vorgenommen. Als unsere liebe Freundin Dagny anrief meinte sie nur ganz trockenen „also daher kommt der Spruch Ich habe einen Stein im Brett mit jemanden“, dass war ein Tippfehler, es muss Stein im Bett heißen!!!!“
Dann kam noch etwas dazwischen. Von Montag auf Dienstag war in der Nacht ein starkes Gewitter, wie immer konnte ich dabei nicht schlafen und bin unruhig durch das Haus gewandert und, auch wie immer, Morceguinho mit mir. Dabei ist er hinter den Eisschrank gewandert und auch in einige Ecken wo viel Staub und höchstwahrscheinlich Spinnenweben waren. Schon am Dienstag fing er an zu röcheln, und nach einem Tag auch noch an zu niesen. Am Mittwoch haben wir ihn eingefangen und nach Gramado gefahren, denn am Donnerstag war Tag der Arbeit und alles wäre geschlossen und ich wollte es nicht darauf ankommen lassen. Mir war ein Tierarzt in Gramado von Rocky vorgeschlagen worden, jemanden den ich übers Internet kennen gelernt hatte, da er auch mit zwei Katzen einen Transatlantikflug hinter sich hatte. Zu seiner Zeit war er mit zwei Katzen aus Rom nach Rio geflogen. Er hatte in Rio aufgegeben, so wie ich in Sao Paulo aufgeben wollte!! Jedenfalls waren wir mit Morceguinho bei dem Tierarzt, sehr nett, sehr freundlich, nicht unbedingt umwerfend überzeugend, aber auch nicht abschreckend, was soviel wie gar nichts bedeutet!! Jedenfalls bekam Guapito Nasentropfen (??? Wie gibt man einer Katze Nasentropfen? Das würde ein ganzes Kapitel einnehmen). Und ist jetzt langsam wieder okay – wäre er ohne Nasentropfen höchstwahrscheinlich auch, denn ob irgendetwas von den Tropfen in seine Nase gelandet ist, das kann ich nicht beschwören. Aber manchmal niest er noch und dann schlägt mein Herz schneller und mir wird klar dass es auch Nachteile hat so weit vom Schuss zu leben.

Bei diesem Wort fällt mir ein, wir haben uns schon seit einiger Zeit um eine Waffe bemüht, sagten es nur einem Mann und sofort kam Sr. Alfredo vorbei, er habe eine Pistole, noch von seinem Vater – Rechnung lag bei, aus dem Jahre 1956 – und er könne sie uns für 500 Reais verkaufen. Das muss man durch ca. 2.65 teilen um den Eurobetrag zu erhalten. Wir hatten sie ein paar Tage hier, aber da die Munition auch aus dem selben Jahre stammte, haben wir drauf verzichtet, da man damit nicht einmal eine Fliege aus der Luft schießen könnte. Aber uns ist schon eine andere angeboten worden, zu demselben Preis, pro Schuss noch mal ca. 1 Euro. Also, so leicht kommt man an eine nicht angemeldete Waffe, jedenfalls wenn man Leute kennt.

Am 1. Mai, also Tag der Arbeit, haben Gyps und ich den Anlass sehr ernst genommen und geackert wie die Verrückten: es gibt hier mehrere Drecksecken, eine davon wo die Bananen wachsen, eine andere an der Einfahrt, und die hat Gyps in Angriff genommen. Dort waren Stapel mit Ziegelsteinen, riesige Plastikplanen, vertrocknete Baumüberreste von Palmen und Spinnen ohne Ende.
Ich habe im Kuhstall etwas sauber gemacht und dann hat Gyps immer eine Fuhre Ziegelsteine sauber gemacht – dazu immer Spinnen, Kakerlaken so groß wie Schäferhunde, etc. etc. entfernt. Ausgeladen haben wir zusammen, und während er wieder die Schubkarre vollud, hat der kleine Pyromane hier ein Feuer gestartet, erst klein und vorsichtig, dann immer größer, und als Gyps mit zwei Stapeln Ziegelsteinen fertig war, kam er dazu und das ganze drohte außer Kontrolle zu geraten. Aber die Ecke sieht schon viel besser aus. Noch zwei solche Arbeitsattacken und es sieht sogar sehr gut aus. Eigentlich sollte man ja die Bioreste verrotten lassen, aber da man jahrelang dort einfach alles hingeworfen hat, hat sich eine sehr gefährliche Ecke gebildet. Gefährlich falls mal ein Feuer entfachen oder mal ein Blitz einschlagen sollte. Erstens könnte das ein unlöschbares Feuer auslösen, zweitens weil sich dort so ziemlich jedes Tier verstecken kann und Schlangen magisch anlockt. Außerdem ist diese Ecke genau an der Einfahrt zum Grundstück und gibt dem Ganzen einen sehr ungepflegten Eindruck.

Am Freitag hat es wieder sehr geregnet und ich wollte nicht aus dem Haus, Gyps hat sich einen Anorak und Hut angezogen, eine Machete unter den Arm geklemmt und meinte er würde sich das Grundstück noch mal ansehen. Nach ca. ein und einer halben Stunde kam er zufrieden wie ein kleiner Junge nach einem Abenteuer wieder an und erzählte mit ganz stolz wo er gerade gewesen - und ich war stinke sauer. Regel Nummer eins in der Pampa: man geht nie allein in bestimmte Ecken, Regel Nummer zwei, man sagt immer genau wohin man geht. Wo er war hätte ich ihn NIE vermutet.
Also, genau unter dem Steingarten, wenn man über die Steinmauer klettert, hat er einen alten Weg gefunden, der höchstwahrscheinlich noch bis ins Tal führt, der teilweise noch mit Steinen befestigt ist, und teilweise noch gut begehbar ist. Allerdings, nach ca. 45 Minuten kam er nicht weiter, da der Pfad von da an zugewachsen ist und man müsste sich wirklich mit einer Axt und einer besseren Machete durchschlagen. Teilweise waren auch Bäume auf dem Weg gefallen, die schon fast verrottet waren, also kann dieser Weg möglicherweise seit über 20 Jahren nicht mehr beschritten worden sein. Man müsste morgens mit 4-5 Leuten los, Verpflegung, Ausrüstung, und einen Tagesausflug machen und jemanden haben, der einen im Tal wieder abholt – wenn man ankommt. Bis zum Tal müssten es in gerader Linie ca. 300 bis 400 Meter sein, und der Weg geht nicht in gerader Linie, sondern eher in Serpentinen durch den Urwald. Jedenfalls ist Gyps total abenteuerlustig und will am liebten sofort wieder los. Ich bin der Meinung, erst mal fragen wir Sr. Alfredo ob er diesen Weg kennt, da er als Junge hier angekommen ist, kennt er ihn bestimmt und weiß wohin er führt und wie weit die Entfernung ist. Der Bruder von Dona Anita hat uns ja mal am Abhang gezeigt wo er wohnt, und zwar unten im Tal am Fluss entlang. Ich habe mich da schon an einem Baum festgehalten, da es extrem steil nach unten geht. Also, wer von Euch Lust hat – Gyps braucht noch Begleitung.

Am 1. war Sr. Alfredo hier, er wollte gerne eine Bambusstange schlagen, da er auf seinem Grundstück die Pinhões ernten wollte. Da wir dieselbe Idee hatten, ging Gyps gleich mit ihm, und ich bin froh, dass die Beiden zusammen dort waren, wieder genau am Abhang, und sie haben auch die Affen gehört die in den Wäldern leben. Man sagte mir es seien Brüllaffen, aber ich habe sie nie brüllen hören, und Alfredo hat sie gesehen, Gyps nur gehört. Sie haben dann 11 Meter lange Bambusstangen geschlagen, die jetzt eigentlich 6 Monate trocken müssten, wenn man mit ihnen etwas bauen sollte.
Es regnete viel gestern und man dachte abends oder spätestens in der Nacht würde es aufhören, aber denkste. So gegen 17 Uhr ging es erst richtig los, ein starkes Unwetter, Blitz, Donner, Sturm, dass das ganze Haus wackelte und Regen dass heute alle Wege sich neue geformt haben. So wie in Deutschland als die berühmten Unwetter Berliner Keller überfluteten, nur eben stundenlang. Es soll ein Zyklon vor der Küste von Rio Grande do Sul / Santa Catarina lauern, und erst in zwei Tagen soll sich das Wetter bessern. Für mich, mit Ängsten vor Unwettern seitdem ich mich erinnern kann ist das schon wieder eine heftige Konfrontationstherapie. Seit 3 bis 4 Jahren gibt es in Brasilien Tornados, durch Zyklone ausgelöst, die es auch erst seit einigen Jahren hier gibt. Allerdings meinte man, dass die sich meistens in Santa Catarina austoben, und wenn in RS, dann nicht in den Bergen. Hoffentlich wissen sie das und halten sich daran!!!

Vor einigen Tagen hat Gyps auch seine erste Bananenstaude geerntet. Eine Banane war gelb und reif, und das heißt, jetzt ernten ehe die Vögel es tun. Eine Schar Vögel kann eine ganze Staude in 1-2 Tagen vernichten, wenn sie reif ist. –jetzt warten wir allerdings darauf, dass die anderen Bananen auch reifen. Wenn die Bananen geerntet werden, hackt man die ganze Staude ab, da sie nie wieder tragen wird und Platz machen muss für neue Stauden. Heute regnet es zu viel und ist zu nass – sowie das Wetter besser wird werden wir ein paar Bilder davon aufnehmen.

Vom Wetter hier sind wir im Monat entsprechend zu November bei Euch. So darf es auch mal kalt werden, aber nicht soooo kalt – wir haben noch nie so gefroren. Wenn das Haus doch schon Frostbeulensicher wäre. Das meinen Mullino und Morceguinho auch. Wir sehen immer Purzelchen und seine Eltern im Regen und bewundern sie, wie sie sich an die widrigen Umstände angepasst haben.

Tja, und so müllen wir Euch zu mit Nachrichten, die die Welt nicht braucht ohne zu wissen, ob Ihr damit etwas anfangen könnt, aber, sowie wir eine Abschickmöglichkeit haben, und ihr diese Infos erhaltet, sagt uns bitte, ob wir Euch von unserer Liste streichen sollen oder ob Ihr weiter „Nachrichten aus der Pampa“ erhalten wollt. Nächste Woche kommt unser Umzug an und dann müssten wir nach noch einer Woche auch ans Internet angeschlossen sein. Wir wollen so gerne auch von Euch Nachricht bekommen. Wie geht es Euch, was treibt Ihr so, wie ist der Frühling in Berlin. Svenja meint es wäre endlich schön und frühlingshaft geworden. Diese Jahreszeit ist wirklich besonders schön und verzaubert Berlin jedes Jahr aufs Neue.